Cristina Zehrfeld - Freie Journalistin und Autorin
Cristina Zehrfeld - Freie Journalistin und Autorin

27.Februar 2020,

Maestro Carl ist aus dem Gröbsten heraus

Naturgemäß habe ich mich in meinen Notizen über Maestro Carl auf den Maestro konzentriert. Diese Fokussierung hat leider immer wieder dazu geführt, dass ich die hochdramatischen Ereignisse in seinem unmittelbaren Umfeld schmählich vernachlässigen musste. Besonders ist das zu Lasten einer Person gegangen, ohne die es den Maestro nicht geben würde: Mutter Carl, jene bewundernswerte Frau, die sich die Mühe gemacht hat, dieses Genie auf die Welt zu bringen. Diese geschichtsträchtige Niederkunft wäre nun für sich allein gesehen bereits eines umfangreichen Berichtes wert. Keineswegs wäre es mithin statthaft gewesen, die aufopfernde Hingabe von Mutter Carl, ihr unerschütterliches Pflichtbewusstsein, ihre Weisheit und ihren unstillbaren Appetit auf die Delikatessen einer weltberühmten Junk-Food-Restaurantkette zu einer Randnotiz verkommen zu lassen.

Die Bindung zu seiner Mutter war für Maestro Carl stets viel mehr, als die dogmatische Erfüllung des vierten Gebotes. Darauf angesprochen pflegte er stets zu sagen: „Ein Kind ohne Mutter ist wie eine Blume ohne Regen.“ Für Mutter Carl war diese Einstellung ein Quell der Freude. Dennoch hat sie niemals den geringsten Zweifel daran gelassen, dass sie sich aus dem Leben ihres Sohnes zurückziehen wird, wenn er eines schönen Tages aus dem Gröbsten heraus ist. Niemand hatte je damit gerechnet, dass das passieren könnte. Doch völlig unerwartet hat Mutter Carl jüngst den gerade vakant gewordenen Posten beim Engelschor auf Wolke sieben übernommen. Des Chores Freud, so könnte man sagen, ist nun des Maestros Leid. Doch wir sollten uns von dieser traurigen Geschichte nicht verdrießen lassen, und stattdessen das Positive sehen: Maestro Carl ist endlich aus dem Gröbsten heraus.

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© Cristina Zehrfeld