Cristina Zehrfeld - Freie Journalistin und Autorin
Cristina Zehrfeld - Freie Journalistin und Autorin

Es gab ein Land dermalen

 

Drei Volksstämme wohnten dereinst in Schlaraffien

im Volksmund genannt das Schlaraffenland

welches man noch bis vor wenigen Jahren

auf jeder vernünftigen Landkarte fand.

 

Dort kochte der süßeste Brei in den Töpfen

in Strömen floss allzeit der süffigste Wein

ein jedermann tat, was er konnte und wollte.

Man ließ es sich gut geh’n, tagaus und tagein.

 

Doch grübelte längst der drei Stämme schon einer

sinnierte in Stunden der müßigen Zeit

erfand schließlich unter plagendem Kopfschmerz

das Steuergesetz und die Lohnarbeit.

 

Eigenheiten wurden nun wichtig

deren Betonung man bisher vermied.

Merkmale, welche die Schaffen und Schlaffen

vom Volksstamm der Raffen ganz klar unterschied.

 

Es waren die Schaffen so eindrucksvoll fleißig

sie schafften vergnüglich von frühe bis spät

den üppigen Reichtum verdankte Schlaraffien

dies’ kraftvollen Volksstammes Vitalität.

 

Die Schlaffen hingegen war’n müde und kränklich

sie konnten aus Schwäche nichts Nützliches tun

drum war es ihnen das größte Vergnügen

meistens zu schlafen und manchmal zu ruh’n.

 

Die Raffen nun schließlich, war’n keines von beiden

sie waren putzmunter – und doch arbeitsscheu

dafür verkauften sie älteste Hüte

(welch eine Gabe) als vollkommen neu.

 

Um ihren Ideen zum Sieg zu verhelfen

verkündeten streng sie, es sei höchste Zeit

für schonungslos Neues, für harte Reformen

zur Durchsetzung höchster Gerechtigkeit.

 

Es fehlte den Schaffen die Zeit sich zu wehren

die Schlaffen war’n dafür (wen wundert’s) zu schlaff

doch ob der verheerenden Resultate

der Neuerungen war’n alle baff.

 

In edelster Absicht verteilten die Raffen

die Reichtümer um - und ummer als um

Schlaraffien aber verarmte bei dieser

Gerechtigkeitsorgie

tja Pech, das lief dumm.

 

 

Cristina Zehrfeld

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© Cristina Zehrfeld